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Mittwoch, 29. Oktober 2014

Seidl, Anna ~ Es wird keine Helden geben


Die 15 jährige Miriam hätte beinahe verschlafen, wenn nicht ihr Freund Tobi eine SMS geschrieben hat. Sie kommt sie doch noch rechtzeitig zur Schule. Eigentlich ein völlig normaler Schulalltag. Doch als es zur Pause klingelt, fällt ein Schuss. Miriam flüchtet mit ihrer besten Freundin Joanna in die Jungentoilette. Dort müssen beide mitansehen, wie ein Mitschüler brutal erschossen wird. Als sich Miriam dann aus dem Versteck herauswagt, sieht sie ihren Freund schwer verletzt am Boden liegen. Jede Hilfe kommt zu spät. An diesem schrecklichen –tag verliert nicht nur Tobi sein Leben, auch Miriam ihr bisher unbeschwertes, obwohl sie überlebt hat.
 Mit ihren Debütroman hat Anna Seidl ein heikles Thema aufgegriffen. Die Protagonistin Miriam erlebt eines ihrer schrecklichsten Erlebnisse in ihren kurzen Leben. Ein Junge aus ihrer Schule läuft Amok und tötet mehrere Schüler und Lehrer. Auch sie wird angeschossen. Dieses Buch gibt von Anfang an die Gefühle wieder. Anna Seidl hat gut recherchiert, denn man kann sich in Miriam gut hinein versetzten. Auch wenn man diese gottseidank noch nicht erlebt hat, bringt die Schriftstellerin diesen Schock und die 4 Phasen der Trauer hier in diesem Buch gut herüber. Die Erste Phase Nicht wahrhaben wollen bzw. der Shock wird immer wieder von Miriams Worten: Es darf nicht wahr sein, es ist alles nur ein böser Traum“ gut verdeutlicht. Dann die Phase 2 die von Wut, Trauer, Zorn, Angst und Ruhelosigkeit geprägt ist. Immer wieder kommt die Schlaflosigkeit von Miriam zur Sprache.
Dann endlich beginnt Miriam an zu suchen und wird sich des Verlustes ihres Freundes und ihrer Freundinnen bewusst. Sie fängt an mit Tobi an seinen Grab zu sprechen. Dann geht es langsam wieder bergauf und sie und ihre Freundinnen kommen sich wieder näher in der 4. Phase der Trauer. Auch lernt Miriam einen neuen Jungen Stephan kennen, dem sie ganz langsam Vertrauen schenkt. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt somit und sie hat die 4 Phasen der Trauer bewältigt.
Dieses Buch ist sehr einfühlsam geschrieben. Anna Seidl hat sehr gut recherchiert. Man kann meinen, sie kennt sich aus mit der Trauer oder hat sich damit beschäftigt. Dieses Buch regt zum Nachdenken an. Darüber, wie man mit Mitmenschen – in diesem Fall hier Mitschüler – umgeht und das man vielleicht sein Teil oder seine Schuld an manchen schlimmen Dingen hat, sei es jetzt Selbstmord oder evtl. ein Amoklauf. Hätte Miriam und ihre Freunde es verhindern können, wenn sie zu ihren Mitschüler nicht so gemein und hässlich gewesen wären? Oder hätte dieser Mitschüler so oder so zur  Waffe gegriffen? Wenn man das buch ausgelesen hat, denkt man noch lange darüber nach. Gerade weil in Deutschland schon genug schlimme Amokläufe gewesen waren. Hätten diese evtl. auch verhindert werden können? Wie tief kann man in einen Menschen hinein schauen?

FAZIT: Mir hat dieses Buch auf seine Art eine Gänsehaut verursacht. Ich habe ja schon vieles gelesen, aber selten  so was eindringliches und mitnehmendes. Jeden kann ich dieses Buch empfehlen. Egal warum, ob es nur zur „Unterhaltung“ ist oder um mal sein eigenes Tun zu überdenken. Einfach mal nachzudenken, wie man sich in der Umwelt gibt und ob man an
sich arbeiten kann. Ich finde, das Buch gehört als Pflichtlektüre in jeder Schule gelesen!

Stärke: Ein einfühlsamer tiefgreifender Roman über ein heikles Thema
Schwäche: