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Freitag, 29. April 2016

Reich, Stephan ~ Wenn's brennt

http://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Reich_SWenns_brennt_161300.jpgSchulout - Sommerferien. Für Nina, Erik und Finn, die in einer kleinen Provinz leben,  die letzten ihres Lebens. Denn danach beginnt der Ernst des Lebens- wie es so schön heißt. Gerda für die besten Freunde Erik und Finn sind es besondere Ferien, denn danach trennen sich ihre Wege. Während Erik eine schnöde Lehre auf dem Postamt seines Vaters anfängt, geht Finn auf eine Schule in Hamburg. 6 Wochen bleiben den beiden also noch und diese vollen sie mit Party krachen lassen. Dabei fließt viel Alkohol. Doch um so näher der Abschied rückt, um so düsterer und trauriger wird die Partystimmung. Dazu gesellt sich Angst vor der Zukunft. Und dann eskaliert die Situation....

Wenn's brennt zeigt das unersägliche Sein der Jugend, die vor einen neuen großen Abschnitt ihres Lebens stehen und nicht so recht wissen, was auf sie zukommt. Hier kommt alles zu tage, Angst, Freude und Ungewissheit. Dazu eine gehörige Portion Alkohol und Drogen und das Szenario ist perfekt. ERik und Finn wollen den Kontakt nach den 6 Wochen nicht abbrechen lassen, aber irgendwie sprechen sie doch oft zwei unterschiedliche Sprachen, denn jeder sieht seine Zukunft anders. 
Dieser Roman zeigt die Trostlosigkeit in einen kleinen Dorf auf, wo die Jugend nicht viel zu verlieren hat, aber auch nichts zu gewinnen. Man bringt halt irgendwie seine Zeit in den Sommerferien rum.
Das Buch ist aus der Sicht von Erik geschriben. Er ist über die Zukunft verunsichert und macht sich so seine Gedanken. Ganz anders als sein bester Kumpel Finn, dem alles egal ist. Oft lässt sich Erik einfach mitziehen von Finn, der nur Mist im Kopf hat, trotz seiner Zweifel, die ihn dabei plagen.
Und dann ist ja noch Nina, Eriks Freundin, mit der er auch Spaß haben will. Oder sein behinderter Brunder.
Die Sprache ist hier typisch jugendlich und kommt uthentisch rüber. Das behindert den Lesefluß aber keines Falls. Aber ein wenig stört es mich, das endlose Dauerphilosophieren über z. B. das Universum. Da hätte man wirklich ein wenig kürzer treten können. Aber vielleicht ist es so, wenn man bekifft ist. 
Aber im Großen und Ganzen ist die Geschichte hier sehr authentisch und realistisch. Man kann den Jugendlichen nachempfinden, wie es ist, in einen Dorf zu sein mit 16 ohne fahrbaren Untersatz und ohne Spaß und Spannung für die Jugendlichen. Es kommt unweigerlich Langeweile und damit dumme Gedanken auf.
Leider eskalieren sie hier in diesem Roman. 
Ich selber lebe ja auch auf einen Dorf, bin aber keine Jugendliche mehr und weiß vielleicht dadurch das "Landleben" zu schätzen. Die Ruhe und Friedlichkeit. Aber ich selber habe schon erlebt, das hier die Jugend auch groben Unfug hier anrichten vor lauter Langeweile. Bisher ist es noch harmlos verlaufen wie besprühte Hauswände etc. Aber so kann ich wenigstens ein wenig mitfühlen bei Erik, Finn und Nina.
Einzig allein was mich hier echt stört, ist das offene Ende. Ich gestehe, ich hasse! offene Enden. 
Aber vielleicht ist da die Fantasie des Lesers gefragt und bei diesem Ende kann man viel hineininterpretieren.
Das Cover -- nunja, es zeigt einen schwarzen Hintergrund. Der Pappbecher mit der roten leuchtenden Flüssigkeit steht im Vordergrund und mitten darauf in Schreibschrift der Titel. Am Anfang konnte ich mit dem Bild nicht viel Anfangen, aber nach und nach macht er Sinn. Erstens der ganze Alkohol und zweitens --- lest selber, nur dann wisst Ihr warum der Becher so leuchtet.
Erschienen ist das Buch beim DVA Verlag und gehört zur Random House Gruppe

Ein guter Debütroman von Stephand Reich. Ich hatte das tolle Glück, ihn auf der Leipziger Buchmese beim Randomhouse-Bloggertreffen ein Kurzinterview zu stellen. In diesem Buch gibt es eine Email Adresse, wo Erik seine Bewerbungen schreibt. Stephan sagte dann, das er sich gleich die Adresse gesichtert hätte und sich freuen würde, wenn jemand ihn darüber anschreiben würde. Das werde ich gerne machen und ihm den Link dieser Rezi schreiben :-)
Hier findet Ihr mein Kurzinterview mit Stephan Reich.







Schmöe, Friederike ~ Wer mordet schon in Franken

http://www.gmeiner-verlag.de/images/verlag/cover/print/9783839215074.jpgFranken ist ja eigentlich idyllisch und gemütlich. Ruhig und immer friedlich. Nicht aber hier im Buch. Da wird gemordet und gemeuchelt. Von Oberfranken über Mittelfranken bis hin zu Unterfranken und wieder zurück. Der Weg wird durch Leichen gezeichnet. Und das ganze 11 Mal.  Das Fichtelgebirge wird überschattet von einen dreifachen Mord, Bad Brückenau ist nicht der beschauliche Kurort. Und die Rhön wird mit Blut durchzogen.
In dieser Anthologie kommen Krimiliebhaber voll auf ihre Kosten. Und genießen einen schöne Reise durch das malerische Frankenland mit vielen Ausflugszielen.

Ich habe diese Anthologie mit Freuden gelesen, da ich selber im schönen Frankenland lebe- genauer gesagt in Unterfranken. Viele Tatorte hier kenn ich "persönlich" und habe diese durch das Buch auch mitbesucht.  Sehe ich jetzt die Rhön mit anderen Augen, wenn ich wieder mal dahin fahre. Oder wie sieht es mit Nürnberg aus? In Würzburg konnte ich sogar die Strecke gedanklich mitlaufen, da ich selber da eine Zeit gewohnt habe.
Die Krimis selber sind recht unterhaltsam geschrieben und lassen sich gut lesen. Nichts stört am Lesefluß. Spannung kommt hier zwar nicht vor, aber so manche Geschichte fesseld einen schon. Na klar gibt es auch immer die ein oder andere Story, die einen nicht so zusagt. Teilweise ist der ein oder andere Krimi auch kurios geschrieben. Aber im Gesamtbild ist es eine ganz tolle Anthologie. Bei jedem Krimi ist im Anschluß ein Anhang mit Freizeittipps zu Gebäuden oder Ausflugzielen. Sehr informativ beschrieben.
Frankenland ist ja gleich Burgenland. Da passt das Titelbild mit einer Burg gut dazu. Nebel wallt ein wenig hinter der Burg auf und macht es ein wenig unheimlich.  Der Wald dahinter wirkt auch düster. Voll passend zu Franken und Krimi.  Der Titel ist in einen Textfeld mit schwarzen Hintergrund gehalten, wo auch ein Gewehr abgebildet ist. Die Farbe des Titels ist ... passend .. blutrot. Da ich leider nicht so oberfränkisch informiert bin, wäre es schön gewesen, wenn man zu dem Titelbild eine kleine Anmerkung geschrieben hätte, um welche Burg es sich handelt.
Trotzdem, wer in Franken lebt - egal ob in Unter-, Mittel- oder Oberfranken, dem kann ich diese Krimianthologie nur empfehlen. Aber auch solche, die planen in Franken Urlaub zu machen und Krimis lieben.

Tatorte:
Coburg und Coburger Land
Forchheim und Fränkische Schweiz
Fichtelgebirge
Bamberg und Würzburg
Rhön, Hassberge und Steigerwald
Nürnberg, Fürth und Erlangen
Weißenburg und Gunzenhausen
Ich danke den Gmeiner Verlag für das Leseexemplar.

Sonntag, 17. April 2016

Nössler, Regina ~ Endlich daheim

Kim ist ein etwas pummeliges Mädchen, das kurz vor ihren 14ten Geburtstag steht. Sie hat nur eine einzigste Freundin. Nach Schulschluss kommt Kim endlich daheim an. Es ist Freitag und morgen ist ihr Geburtstag. Doch bei ihren Haus angekommen,  ist nichts mehr so wie es einmal war: Der Schlüssel passt nicht und überhaupt stehen an  den Klingelschildern fremde Namen. Wo ist ihr Name? Ihre Mutter ist beruflich fort und Kim bekommt sie nicht ans Telefon. Auch ihre Tante ist unerreichbar unterwegs. Am Anfang denkt Kim, sie träumt schlecht, doch nach und nach begreift sie die Realität und merkt, das ihr bisheriges Leben spurlos verschwunden ist. Sie fängt an zu verzweifeln und bekommt es mit der Angst zu tun.
Dieser Thriller fängt eigentlich ganz harmlos an und man denkt, hä, das ist doch kein Thriller, das ist ein ganz normaler Roman. Es geht um Kim, die nach Hause kommt und nichts ist mehr so wie es einmal war. Dann begleitet man sie fast 24 Stunden lang auf der Suche nach dem Zuhause, nach dem Vergangenen und dem Veränderten. Mit ihr erlebt man bange Stunden, Verzweiflung, aber auch Freude und Erleichterung. Am Ende kommt dann die Auflösung und es ist anders ,als man erwartet hätte.

Regina Nässler schafft es uns in eine Welt zu entführen ,die wohl für die meisten die schlimmsten Alpträume sind. Und auch schafft sie es, sich in die Gefühle der 13 jährigen Kim gut hinein zuversezten, ihre Angst und Verzweiflung, aber auch ihre Frage, ob sie an allem Schuld ist.
Das Buch  ist auch mehreren Persektivien geschrieben: Aus der Sicht von Kim, der Tante Felicitas, dem Polizisten Kummer und auch von Alex - dem heimlichen Schwarm von Kims böser Freundin Merle. Trotz dieser vielen Perspektiven zieht sich die eigentliche Story wie ein rotes Band durch diesen Thriller und irgendwie sindalle Personen miteinander verknüpft.Außerdem sind die Kapitel nach Uhrzeiten unterteilt. Die Beschreibungen der Berliner Handlungsorten ist sehr realistisch, da das man mit dem geistigen Auge immer dort ist.

 Am Ende klärt sich na klar alles auf und man denkt, oh, damit habe ich allerdings nicht gerechnet.
Der Schreibstil ist somit spannend, denn man will ja wissen, was da passiert ist mit den verschwundenen Bewohnern von Haus Nr. 48?  Man hofft mit Kim, das alles gut geht und möchte sich in manchen Situationen am liebsten in den Arm nehmen und trösten. Außerdem ist man beim Lesen genauso verwirrt wie Kim und fragt sich, was ist denn da überhaupt passiert
Realistsich sind die Personen und Gefühle, gut dargestellt. Die Autorin Regina Nössler hat die Stimmung gut eingefangen.

Das Cover passt zu dieser düsteren Stimmung. Dunkel bzw. nachts mit fliegenden Krähen. Einzig allein eine Straßenlaterne gibt ein wenig Licht in dem nebligen Abend.
Ich danke dem Konkursbuch Verlag für das Rezensionsexemplar.


Dienstag, 12. April 2016

Altura, Nessa / Blattner, Ulrike ~ Diagnose Mord




 Bis jetzt meinte man immer, Lesen ist gesund. Allerdings nicht, wenn man dieses Buch liest. Denn es könnte die Gefahr beherbergen, dass man Herz- oder Nervenschwäche bekommt. So steht in der Art steht es im Klappentext von dem Kurzkrimiband "Diagnose Mord".

Hier in dem Buch ist alles vertreten, was mit dem Gesundheitswesen - oder viel mehr unwesen- zu tun hat: Großer Fall von Hypochondrie, Sondermüll Entsorgung, geistiger Verwirrung und vieles mehr. 17 AutorInnen haben hier mal hinter den Kulissen der Medizin geschaut und herausgekommen ist ein makabres,  düster und abgründig kleines Krimibuch.

Herausgegeben wurde herausgegeben von der Autorin Ulrike Blattner, die auch als Rechtsmedizinerin und Therapeutin arbeitet und von der Autorin Nessa Altura. Ergänzt wird jede kriminelle Geschichte durch fachkundige Kommentare von Ulrike Blatter, welche die medizinischen Hinter- und die psychologischen Abgründe erläutert.

Die Krimis in einzelnen sind sehr unterhaltsam und teilweise auch humorvoll im sarkastischen Sinne. Bei der ein oder anderen Geschichte hat man bestimmt schon selber manchmal gedacht: Oh ich könnte die Person umbringen :-).

Der Schreibstil ist soweit okay und lässt sich von daher leicht lesen. Was ein wenig beschwert ist leider die kleine Schrift.

Das Cover ist gut, denn es ist in schwarz gehalten. Nur eine Spritze und die medizinische Schlange sind drauf zu sehen. Na klar hat die Spritze rote Flüssigkeit drin - Blut?

Alles im allen ist diese Krimianthologie ein unterhaltsames kriminalistisches Buch. Leicht zu lesen. Jeder der leichte Krimis mag - egal ob einfach so oder für zwischendurch - dem kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen.

"Diagnose Mord" ist beim Buchvolkverlag erschienen und ein Band von einer 8teiligen Anthologie Reihe. Ich werde auf jeden Fall bestimmt das ein oder andere Band aus der Serie mir noch zulegen.
Vielen Dank an den Buchvolkverlag, das ich dieses Buch vorablesen durfte!


Mittwoch, 6. April 2016

Oltersdorff, Jana ~ Dunkle Geschichten



10 dunkle Geschichten – 10-mal Gänsehautfeeling. Das hat Jana Oltersdorff in ihren Buch „Dunkle Geschichten“ erschaffen.
Wenn man dieses Buch liest, überlegt man sich, ob man in Zukunft mit der S-Bahn fährt, begutachtet den nächsten Cocktail genauer und geht nicht mehr unbeschwert eine Treppe hoch.  Und dann war ja noch das verlassene Dorf…..

Jana Oltersdorff hat mit diesen düstern Geschichten geschafft, das man Gänsehaut beim Lesen bekommt.  Trotzdem in einer Anthologie gibt es immer wieder auch Geschichten, die mir nicht so gefallen. Auch hier, z. B. bei „der perfekte Cocktail“ oder „Frau Hegel, weiß, was zu tun ist“. Abe das ist hauptsächlich reine Geschmackssache. Im Großen und Ganzen sind die 10 kurze Geschichten alle toll geworden. Der Schreibstil ist gut und man kann dieses Buch flüssig lesen. Oftmals sogar gefesselt von der Story. Im Anhang wird etwas über Jana Oltersdorff selber gesagt und ihre Veröffentlichungen in Anthologien. Danach stellt sich kurz der Quindieverlag vor und abschließend gibt es eine Leseprobe aus „Die Brezelfrau“.
Das Cover ist voll passend. Dunkel und düster gehalten: eine Person in einen Wald? mit aufsteigendem Nebel. Selbst der Titel sieht aus, als ob der Mond drauf scheint. Also in der Buchhandlung fällt es einen ins Auge, zumindest demjenigen, der gruselige Geschichten mag.
Die Kurzmeinung von inflagranti Books gefällt mir übrigens auch sehr gut:
Eine ….. Mischung aus Horror, Grusel und Fantasy, die einen zum Schmunzeln bringt. …… Gleichzeitig macht man sich vor Angst in die Hose.
Ich bin ja persönlich nur froh, dass dieses Buch schon beschrieben ist. Wenn das leer wäre – ich würde es nicht kaufen *lach*

Übrigens habe ich von der Autorin "Die Nacht im finsteren Walde" gelesen. das ist ihr zweites Buch und ich muss ehrlich sagen, Jana hat sich gesteigedrt. Denn das zweite Buch ist  - meiner Meinung nach - besser gelungen. Spannender, fesselnder, einfach eine Steigerung zu "Dunkle Geschichten". Nun freue ich mich schon sehr auf das dritte Buch, denn das kann nur nochmal besser werden :-)

Hey, Erika ~ Tausche High Heels gegen Gummistiefel



Erika Hey kann und will nicht ohne Hunde leben. Nachdem ihr geliebter Mika verstorben ist, sucht sie einen neuen Hund. Einen Sofa Hund möchte sie, mit dem man kuscheln kann. Nach langer Suche entscheidet Erika sich für einen Whippetwelpen und weiß gar nicht, was da alles auf sie zukommt…
Erika beschreibt in diesem Buch ihre Erlebnisse mit ihren Hunden. Da waren erst Mika und  Martha, die Dogge von ihrer Tochter. Als beide jedoch gestorben sind, kann und wollen sie nicht ohne Hund. Also bekommt die Tochter wieder eine Dogge – Lea -  und Erika entscheidet sich für einen Whippet – Remy.  Und da geht der Trubel los, denn so ein Sofa Hund, wie sich Erika es wünscht, ist Remy nicht. Trotzdem schließt sie ihn ins Herz.  Und schreibt ein Buch – über und mit Remy.
Es ist ein kurzweiliges Lesevergnügen und man kann sich das Leben mit Remy gut vorstellen. Gerade wenn man selber einen Hund hat, sieht man Remy und sein Frauchen einen vor sich. Trotzdem gibt es auch den einen oder anderen Kritikpunkt bei diesem Buch.  Die Kapitel sind kurz gehalten, oftmals notizhaft geschrieben. Mir persönlich fehlt es hier an Tiefe.  Was mich auch ein wenig stört, ist in der Mitte des Buches, das immer wieder drauf hingewiesen wird, dass Erika ja ihren Remy abrufbereit haben möchte. Darauf wird fast in jedem Kapitel drauf hingewiesen. Wiederholungen! Auch dass er ja so gerne in sein Körbchen in der Decke kuschelt, wird oft erwähnt.
Das Coverbild ist toll geworden. Man  sieht beide Hunde, Lea und Remy liegend auf einer Wiese. Man sieht da, das Remy in witziger, aufgeweckter Hund ist, für jeden Schabernack zu haben. Lea strahlt hingegen Ruhe aus. So wie im Buch beide Hunde beschrieben sind.  Die beiden liegen auf eine Wiese.
Der Hintergrund vom Buch ist in dunklen Grün gehalten. Mir persönlich ist das grün zu dunkel, aber das ist jetzt wirklich nur persönlicher Geschmack. Ich hätte ein frischeres Grün gewählt.
Alles im Allen ein gutes Buch über und mit zwei Hunden, wo man auch das ein oder andere Mal schmunzelt. Aber wie gesagt, mir persönlich fehlt es hier an Tiefe der Geschichte. Alles ist ein wenig zu oberflächlich. Trotzdem habe ich oft die ein oder andere Sache wiedererkannt, die ich mit meinen Hund Tobi in dem ersten Jahr erlebt habe.





Pulfürst, Claudia ~ Dem Leben entrissen



Dem Leben entrissen enthalten vier wahre Verbrechen. Vier Fälle, die wir alle mehr oder weniger kennen.
Beim ersten Fall – der Vierfachmord in Eislingen – meine ich sogar vor nicht alszulanger Zeit eine Verfilmung im Fernsehen gesehen zu haben. Und dann beschäftigt sich Claudia Puhlfürst noch mit drei anderen Fällen:  Der Fall Ayla, Zwickau, Michelle aus Leipzig und der Würger von Aachen. Wobei mir der letzte Fall nicht so bekannt ist.
Das Buch ist gut geschrieben. Es wird auf die einzelne Taten eingegangen und Frau Puhlfürst fragt auch nach dem Warum. Aber nicht nur das, sie recherchiert auch die Hintergründe und erklärt. Sie erklärt teilweise die Gesetze, was bei den hier im Buch beschriebenen Verhandlungen oftmals nicht der Fall ist. Als Beispiel, im Fall eins werden die beiden Täter nach dem Jugendgerichtsgesetzt angeklagt. Hier erklärt die Autorin ausführlich den Unterschied zwischen Jugendgericht und Erwachsenengericht.  Und das auch verständlich ohne irgendwelche Fachsimpelei.
Gespickt sind die einzelnen Fälle immer zusätzlich mit Pressemitteilungen der Staatsanwaltschaft, Landgerichte oder Polizei. Auch Texte von Suchplakaten werden hier mit eingefügt. Das lockert das ganze ein wenig auf und macht aber zusätzlich der Tat und dem Ungeheuerlichen bewusst.
Frau Puhlfürst weiß den Leser mit ihren wahren Verbrechen zu fesseln und das wahre Grauen ein wenig nach Hause zu bringen. Aber trotzdem ist dieses Buch nicht reißerisch oder Gafferisch, nein, es zeigt auch die oftmals verzweifelten Bemühungen der Polizei, den Fall aufzuklären. Und oft die Ungerechtigkeit, die  solchen Fällen immer mit begleiten. Auch sachlich ist hier nichts zu kurz gekommen und trotzdem sehr verständlich.
Ich habe schon sehr viele Bücher über wahre Verbrechen gelesen, aber dieses ist anders. Es wird hier viel mehr über Gesetzte und ähnlichen geredet und die Unterschiede darin. Hier steht oft das Sachliche im Vordergrund und nicht die Tat.

Das Cover zeigt eine pinke Jacke. Die Jacke von Michelle. Mitten auf der Vorderseite des Kapuzenjacke prangt der Titel – anklagend und doch entsetzlich. Der Hintergrund ist schwarz, so schwarz wie die Verbrechen, die hier in diesem Buch beschrieben werden. Die Autorin Claudia Puhlfürst arbeitet zwar hauptberuflich als Redakteurin und Schulberaterin, aber nebenberuflich als Schriftstellerin. Gerade die Humanethologie, also das menschliche Verhalten ist ihr Spezialgebiet und das merkt man in diesem Buch „Dem Leben entrissen“. Es gibt übrigens 6 Kriminalromane von ihr.
Ich habe ja das große Glück gehabt, das ich Frau Puhlfürst auf der Leipziger Messe treffen durfte und eine tolle Signatur in dem Buch bekommen habe. Hätte ich vor lauter Messespektakel mir den Rückentext unten besser mal durchgelesen, ich glaub, wir hätten lange ein Gesprächsthema gehabt, über Täter, Verbrechen und dem Verhalten. Wäre bestimmt sehr interessant gewesen! Übrigens eine sehr sympathische Frau.
Ach so, und wer mag, kann die überaus tolle Seite von Claudia Puhlfürst mal anschauen. Die ist mal gelungen die Homepage!!!